Pacing bei ME/CFS: Warum weniger oft mehr ist

von | 17.03.26

Pacing ist eine der wichtigsten Strategien im Umgang mit ME/CFS – und gleichzeitig eine der herausforderndsten. Denn sie steht im starken Kontrast zu dem, was viele Menschen gewohnt sind: durchhalten, leisten, weitermachen.

Beim Pacing geht es darum, die eigene Energie bewusst einzuteilen und innerhalb der individuellen Belastungsgrenzen zu bleiben. Ziel ist es, sogenannte „Crashs“ zu vermeiden – also starke Verschlechterungen der Symptome nach Überlastung.

Viele Betroffene befinden sich in einem Kreislauf:
Überlastung → kurzfristiges Funktionieren → Zusammenbruch → Erholung → erneute Überlastung.

Pacing unterbricht diesen Zyklus.

Ein wichtiger Bestandteil ist die sogenannte Energiegrenze („Energy Envelope“). Diese beschreibt den Bereich, in dem Aktivitäten möglich sind, ohne dass es zu einer Verschlechterung kommt. Diese Grenze ist individuell und kann sich verändern.

Konkrete Pacing-Strategien sind:

  • Aktivitäten planen und dosieren

  • regelmäßige Pausen einbauen

  • frühzeitig stoppen (nicht erst bei Erschöpfung)

  • Reize reduzieren

  • Körpersignale ernst nehmen

Was viele unterschätzen: Auch positive Aktivitäten können zur Überlastung führen. Deshalb ist es wichtig, nicht nur „Stress“, sondern auch Freude dosiert zu gestalten.

Psychotherapeutisch ist Pacing oft eng verbunden mit Themen wie:

  • Perfektionismus

  • Leistungsidentität

  • Selbstwert

Gerade Menschen, die zuvor sehr aktiv waren, erleben Pacing als starken Einschnitt. Hier braucht es oft Zeit, um neue Maßstäbe zu entwickeln.

Langfristig kann Pacing dazu beitragen, die Stabilität zu erhöhen und Rückfälle zu reduzieren. Es ist kein „Aufgeben“, sondern eine Form von aktiver Selbstregulation.

Psychotherapie Hahn